Wie sicher ist sicher – Prüfverfahren bei uvex

Wie sicher ist sicher? Ein Blick ins Prüflabor in Ellefeld – Teil 2

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Persönliche Schutzausrüstung soll vor allem eines sein: sicher. Wie aber können wir gewährleisten, dass unsere Produkte die notwendigen Sicherheitskriterien auch tatsächlich erfüllen? Mit ausgiebigen Materialprüfungen.

Unser Textilprüflabor bei UVEX SAFETY Textiles in Ellefeld haben wir in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert. Einen ersten Einblick in unsere Testausstattung erhalten Sie in Teil 1 dieser Beitragsserie – seit Kurzem verfügen wir nun auch über eine Brennprüfeinrichtung nach DIN EN ISO 15025 und einen Coupetester zur Bestimmung der Schnittfestigkeit nach EN 388.

Neben den standardisierten Prüfverfahren können wir mit einem eigens entwickelten Teststand die Widerstandsfähigkeit von Geweben gegenüber Funkenfug bestimmen, wie er beispielsweise beim Trennschleifen entsteht.

 

Die einzelnen Prüfverfahren im Überblick

1. Brennprüfeinrichtung

In der genannten Norm DIN EN ISO 15025 sind zwei Verfahren zur Bestimmung des Ausbreitungsverhaltens einer auf Textilien gerichteten Flamme beschrieben. In beiden Verfahren wird die Zeit gemessen, während der die Probe nach der Entfernung der Flamme weiterbrennt – außerdem wird überprüft, ob eine Flammenausbreitung bis zum Rand der Probe auftritt.

 

a) Prüfverfahren für begrenzte Flammenausbreitung, Verfahren A – Oberflächenbeflammung nach DIN EN ISO 15025

Diese Prüfung kommt für Textilien oder andere industrielle Produkte zur Anwendung, die in der Regel flammenhemmende Eigenschaften haben oder dafür vorgesehen sind. Insgesamt sechs Proben (drei längs und drei quer) werden laut Prüfvorschrift zugeschnitten, vorbereitet und am Probenhalter vertikal befestigt. Danach wird der Brenner in eine horizontale Bereitschaftsposition gebracht und die Probe zehn Sekunden lang mit einer definierten Flamme beaufschlagt.

Danach wird der Brenner entfernt und die Probe nach folgenden Kriterien beurteilt: Weiterbrennen zu den Kanten, Nachbrennzeit, Nachglimmzeit, brennendes oder schmelzendes Abtropfen und Lochgröße. Im Ergebnis der Beurteilung erfolgt die Einstufung in den Index 1-3. Jede der sechs Proben muss die Anforderungen bestehen, Maßstab der Bewertung ist der jeweils schlechteste Wert.

Prüfverfahren für begrenzte Flammenausbreitung, Verfahren A – Oberflächenbeflammung nach DIN EN ISO 15025
(1) Brenner, (2) Flamme, (3) Montagerahmen, (4) Probe, (5) Haltestifte, (6) Richtpunkt der Flammenwirkung

 

b) Prüfverfahren für begrenzte Flammenausbreitung, Verfahren B – Kantenbeflammung nach DIN EN ISO 15025

Bei der Kantenbeflammung wird im Wesentlichen der gleiche Versuchsaufbau verwendet wie bei der Flächenbeflammung. Im Unterschied zur Flächenbeflammung wird der Brenner bei der Kantenbeflammung jedoch im 30-Grad-Winkel angeordnet und auf den unteren Rand der vertikal angebrachten Probe gerichtet.

 

Prüfverfahren für begrenzte Flammenausbreitung, Verfahren B – Kantenbeflammung nach DIN EN ISO 15025
(1) Brenner, (2) Flamme, (3) Montagerahmen, (4) Probe, (5) Haltestifte, (6) Richtpunkt der Flammenwirkung

 

 

2. Teststand zur Bewertung der Resistenz von Geweben gegen Funkenfug (Flexstand)

Das Prüfverfahren beruht auf einer Eigenentwicklung der UVEX SAFETY Textiles GmbH. Es wurde im Zusammenhang mit der Entwicklung einer speziellen Beschichtung etabliert, die Träger und Kleidung vor Funkenflug schützt. Der Prüfaufbau erlaubt es uns, Eignung und Wirksamkeit der Beschichtung auf einem Gewebe oder des Gewebes selbst zu bewerten.

Der Prüfstand besteht aus einer beweglich montierten Trennschleifmaschine, die hydraulisch unter definiertem Druck an eine Eisenstange gedrückt wird. Die rotierende Trennscheibe erzeugt dabei den typischen Funkenflug aus kleinsten glühenden Metallteilchen. Für die Prüfung wird eine Gewebeprobe in den Teststand eingespannt und mehrmals hintereinander mit Funken beaufschlagt. Den Abstand von Probe zu Funkenquelle sowie den Druck, mit dem die Trennschleifmaschine auf die Eisenstange drückt, haben wir in einem internen Prüfanweisung definiert.

Dieser Teststand ermöglicht es, verschiedenste Materialien auf die Resistenz gegen Funkenflug zu testen und zu bewerten. Gleichzeitig nutzen wir die Prüfmethode zur laufenden Qualitätssicherung.  Die Testmethode ist zudem eine hervorragende Ergänzung zu den genormten und etablierten Prüfverfahren für Hitze- und Schweißerschutzkleidung – da gegenwärtig kein genormter Test existiert, welcher die Materialbeanspruchung beim Trennschleifen simuliert und bewertet.

 

3. Coupetester nach DIN EN 388

Die genannte Norm gilt eigentlich für Schutzhandschuhe zum Schutz vor mechanische Risiken. Die enthaltene Prüfung zur Ermittlung der Schnittfestigkeit wird aber auch zur Bewertung von textilen Flächen verwendet. Bei der Prüfung wird eine runde rotierende Klinge auf einem Prüfmuster waagerecht hin- und herbewegt. Zehn Umdrehungen beschreiben einen Zyklus. Vor der Prüfung wird die Schärfe der Klinge auf einem definierten Kontrollmuster überprüft. An jedem Prüfmuster werden fünf Prüfungen durchgeführt – dazwischen erfolgt jeweils eine Prüfung auf dem Kontrollmuster. Im Ergebnis der Prüfung wird das Material in ein Schnittschutzlevel beziehungsweise eine Leistungsstufe eingeordnet. Definiert sind Schutzlevel 1 niedrig (1 oder 2 Zyklen) bis 5 hoch (20 Zyklen).

3. Coupetester nach DIN EN 388 3. Coupetester nach DIN EN 388

One thought to “Wie sicher ist sicher? Ein Blick ins Prüflabor in Ellefeld – Teil 2”

  1. Sehr interessanter Artikel zum Thema Prüfverfahren. Mein Vater arbeitet mit verschiedenen Betriebsmittel und muss jetzt neue Fokussierrohre bestellen, die für eine besondere Flächenbeflammung geeigneter sind als die anderen. Ich fand das Video auch sehr hilfreich. Ich weiß nicht, ob mein Vater auch so Tests zur Bewertung der Resistenz macht.

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