PSA als Lebensretter bei Störlichtbögen

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Störlichtbogen-Unfälle treten laut Unfallstatistik glücklicherweise eher selten auf. Im Falle eines Falles ist jedoch das Leben von nahestehenden Personen akut in Gefahr. Unsere Expertinnen für Schutzbekleidung bei uvex safety textiles in Ellefeld, Petra Brückner (Leiterin der Produktentwicklung) und Susen Lemnitzer (technische Projektmanagerin), kennen die Risiken – und wissen, wie sich diese minimieren lassen.

Eine wichtige Rolle auf der Suche nach innovativen Schutzprodukten, die sowohl einen Mehrwert für unsere Kunden als auch für uvex bieten, sind Gelegenheiten zu Information und Austausch mit Partnern und Instituten. Am 22.9.2015 veranstaltete die Zertifizierungsstelle Schutztextilien des Sächsischen Textilforschungsinstitut e. V. (STFI) in Zusammenarbeit mit dem Institut für International Product Safety (I²PS) den Informationstag „Störlichtbogenschutz“. Wir sind der Einladung gerne und gespannt gefolgt und geben in diesem Beitrag unsere Eindrücke und Erkenntnisse wieder.

Im I²PS in Bonn haben sich zu diesem Anlass mehr als 40 Teilnehmer versammelt. Die Nachfrage war weitaus größer, aber die Anzahl der Besucher limitiert. Zum Publikum gehörten Gewebehersteller, Konfektionäre und Mietwäscheanbieter. Herr Hendrik Beier, Leiter der Zertifizierungsstelle, führte die Interessenten durch den erlebnisreichen Tag. Mit einer Vorstellung des renommierten und akkreditierten Prüfinstitut I²PS wurde eine Einführung in die Prüflaboratorien in Bonn gegeben. Anschließend zeigte Herr Beier in anschaulichen Vorträgen die Gefahren eines Störlichtbogenunfalls auf und informierte über die zukünftigen Neuerung in den Normen zum Störlichtbogenschutz. Den krönenden Abschluss des Tages bildeten vier im Labor erzeugte Störlichtbögen. Für die Mehrheit der Teilnehmer war es das erste Mal, solche gigantischen Explosionen (siehe Abbildung 1) live zu beobachten.

uvex plasma gas explosion

Abbildung 1: Austritt einer heißen Plasma- und Gaswolke bei einem Störlichtbogen an einer Prüfbox

Doch was ist eigentlich ein Störlichtbogen und wie wird dieser ausgelöst?

Ein Störlichtbogen ist ein seltenes, aber nicht auszuschließendes Ereignis, welches im Arbeitsumfeld von elektrischen Anlagen auftreten kann. Hervorgerufen durch einen Kurzschluss oder fehlerhafte Handhabungen beim Trennen stromführender Teile verursachen Störlichtbögen extreme, sogar lebensbedrohliche Gefährdungen. In Deutschland werden jährlich immer noch einige Todesfälle infolge von Störlichtbögen verzeichnet. Ein Störlichtbogenunfall hat folgende physikalische Auswirkungen:

  • hohe thermische Energie durch Flammen und Strahlungshitze (bis 10.000 °C )
  • Druckwelle und mitgeführte Fragmente, die durch die explosionsartige Ausbreitung des Störlichtbogens freigesetzt werden
  • extrem intensive elektromagnetische Strahlung, insbesondere im Bereich ultravioletter (UV) und infraroter (IR) Strahlung, aber auch im Bereich des sichtbaren Lichts – kann zu irreversiblen Schäden an Haut und Auge führen
  • starke akustische Belastung (Knall)
  • giftige Gase und Partikel, die durch das Schmelzen und Verdampfen von Materialien im Umfeld des Störlichtbogens (einschließlich der Elektroden) hervorgerufen werden

Zum Schutz gegenüber den thermischen Gefahren eines Störlichtbogens bietet uvex safety textiles ein umfangreiches Schutzbekleidungssortiment (uvex textreme fire + arc) verschiedenster Schutzklassen an. Neben dem zuverlässigen textilen Schutz betont Herr Beier die Wichtigkeit einer geschlossenen Verbindung zum Kopfschutz.

Interessante Fakten zum Störlichtbogentest

Das STFI führt seit dem Jahr 2005 monatlich Störlichtbogentests sowohl am Material als auch an Schutzbekleidung im Prüflabor des I²PS durch. Bei der Prüfung von Schutzbekleidung wird eine Jacke auf einen Dummy gezogen und im Abstand von 30 Zentimetern einem künstlich erzeugten Störlichtbogen ausgesetzt (siehe Abbildung 2). Der Energieverbrauch bei solchen Tests entspricht dem Jahresverbrauch einer dreiköpfigen Familie. Der Test gilt als bestanden, wenn die Kleidung keine Löcher aufweist und der Verschluss sich öffnen lässt, um dem Träger das schnelle Ausziehen der Bekleidung zu gewährleisten.

uvex box test Abbildung 2: Unsere uvex high energy Jacke (aus der uvex textreme fire + arc Produktfamilie) besteht souverän den Störlichtbogentest.

In der Prüfbox (deshalb wird das Testverfahren auch als Box-Test bezeichnet) befinden sich zwei Elektroden, die durch einen Zünddraht miteinander verbunden sind. Dabei besteht die eine Elektrode aus Aluminium und die andere aus Kupfer, um möglichst praxisnahe Prüfbedingungen zu erreichen. Das Innere der Prüfbox ist aus nicht leitendem, hitzebeständigem Gips hergestellt und nach innen abgerundet. Dadurch wird die freiwerdende Energie sofort reflektiert und mit voller Leistung auf den Dummy gerichtet. Stellen Sie sich jetzt anstelle des Dummys einen Menschen vor, der an einer elektrischen Anlage arbeitet. Wie wichtig hier eine umfangreiche, den ganzen Menschen umfassende persönliche Schutzausrüstung ist, sollte für jeden selbstverständlich sein.

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